Schiedsrichterwesen 2025/26: Stabilität, Entwicklung und große Chancen für die Zukunft

Die abgelaufene Saison 2025/26 hat einmal mehr gezeigt: Ohne engagierte Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter ist kein Spielbetrieb möglich. Gleichzeitig wird deutlich, dass sich das österreichische Floorball-Schiedsrichterwesen auf einem guten Weg befindet – mit spürbaren Fortschritten, klaren Herausforderungen und attraktiven Perspektiven für alle, die sich einbringen wollen.

Starke Basis und steigende Eigenständigkeit

In den drei Top-Ligen (Herren Bundesliga, Damen Bundesliga und IFL) standen in der vergangenen Saison 42 Schiedsrichter des ÖFBV im Einsatz. Ergänzt wurde dieses Team durch 19 internationale Schiedsrichter, die punktuell unterstützten.

Besonders erfreulich:
➡️ 81 % aller Spieleinsätze wurden durch ÖFBV-Schiedsrichter abgedeckt
➡️ Das entspricht einer Steigerung von 17 % gegenüber dem Vorjahr

Diese Entwicklung ist ein klares Signal für mehr Eigenständigkeit im Spielbetrieb. Kürzere Anreisen, bessere Planbarkeit und eine stärkere nationale Struktur wirken sich nicht nur organisatorisch, sondern auch finanziell positiv auf den Verband und die Vereine aus.

Das Rückgrat des Spielbetriebs: Das Kontingentsystem

Ein zentrales Element im österreichischen Floorball ist das Kontingentsystem. Für viele Schiedsrichter umfasst eine Saison aktuell 3–4 Spiele, abhängig von regionaler Verfügbarkeit und Anreise.

Bereits in der Saisonplanung wird großer Wert auf eine faire Verteilung der Einsätze gelegt. Gleichzeitig gilt im Schiedsrichterwesen eine einfache, aber entscheidende Wahrheit:

„No Ref – No Game!“

Diese klare Haltung unterstreicht die Bedeutung jedes einzelnen Einsatzes und zeigt, wie essenziell die Rolle der Schiedsrichter für den gesamten Sport ist.

Herausforderungen gezielt erkennen und angehen

Trotz der positiven Entwicklung gibt es weiterhin strukturelle Herausforderungen, an denen aktiv gearbeitet wird:

1. Spitze (Leistungsbereich)
Bei intensiven Doppelspiel-Wochenenden – insbesondere in der IFL – stoßen wir aktuell an Grenzen. Hier fehlt es noch an ausreichend Schiedsrichterpaaren auf Top-Niveau.

2. Verfügbarkeit (Breite)
Regionale Ballungen von Spieltagen führen punktuell zu Überlastungen. Besonders betroffen sind:

  • Wien (durch Hallenzeiten gebündelte Spieltage)
  • Kärnten (fehlende Spitzenschiedsrichter)
  • Tirol und Vorarlberg (strukturelle Abhängigkeit bei geringer Teamanzahl)

Diese Situationen führen teilweise zu längeren Anreisen oder dem Einsatz internationaler Schiedsrichter.

Hohe Einsatzquote – und gezielte Entwicklung

Ein großer Erfolg der Saison:
➡️ Alle Spiele konnten durchgeführt werden
➡️ Keine Spielabsagen aufgrund fehlender Schiedsrichter

Lediglich in 6 Bundesligaspielen kam ein Schiedsrichter mit A4-Level zum Einsatz – entweder zur Überbrückung von Engpässen oder gezielt als Entwicklungsschritt in Richtung A3-Lizenz.

Parallel dazu zeigt sich eine starke Dynamik in der Ausbildung:

  • ca. 40 neue Schiedsrichter wurden ausgebildet
  • 5 neue A3-Schiedsrichter im Frühjahr

Mit rund 300 ausgebildeten A4-Schiedsrichtern österreichweit verfügt der ÖFBV über eine breite Basis.

Drop-out als zentrale Herausforderung

Eine der größten Aufgaben bleibt die Aktivierung neuer Schiedsrichter:

  • Viele absolvieren die Ausbildung, leiten jedoch kein einziges Spiel
  • Andere steigen nach ersten Erfahrungen wieder aus

Hier setzt der ÖFBV gezielt an:

  • Praxistage und Regeldiskussionen
  • Einführung eines Buddy-/Patensystems (Start in Wien)
  • Geplante Ausweitung auf ganz Österreich bis 2028

Ziel ist es, insbesondere Einsteiger besser zu begleiten und Hemmschwellen abzubauen.

Qualität steigt – Entwicklung sichtbar

Die qualitative Entwicklung wird insgesamt als positiv bewertet:

  • Neue Schiedsrichterpaare konnten sich etablieren
  • Junge Schiedsrichter absolvieren erfolgreich ihre ersten vollständigen Saisonen
  • Kontinuierliche Verbesserung durch Feedback, Beobachtungen und Austausch

Ein wichtiger Schritt für die Zukunft:
➡️ Mehr Observationen und gezielte Betreuung
➡️ Fokus auf Jugendbewerbe (z. B. U17), um mit steigender Spielintensität Schritt zu halten

Ausbildung und Förderung auf breiter Ebene

Das Ausbildungsangebot des ÖFBV ist klar strukturiert und wird sehr gut angenommen:

  • A4-Basiskurse (Einstieg)
  • A3-Kurse inkl. Videoanalyse und Regelupdates
  • Regionale Zusatzangebote

Besonders wertvoll ist die individuelle Betreuung:

  • Einsätze mit erfahrenen Schiedsrichtern
  • Persönliche Entwicklungsgespräche
  • Zusammenarbeit mit Vereinen

Ein Engpass besteht aktuell noch bei der Anzahl an Referee Coaches, was die Weiterentwicklung im Leistungsbereich limitiert.

Internationale Perspektiven und Karrierechancen

Das Schiedsrichterwesen im ÖFBV bietet echte Entwicklungsmöglichkeiten:

  • Einsätze bei internationalen Turnieren wie Prague Games
  • Teilnahme an Events wie Czech Open
  • Nominierungen für internationale Bewerbe und sogar Weltmeisterschaften (z. B. 3v3 WM)

Diese Perspektiven zeigen klar:
👉 Schiedsrichter sein bedeutet nicht nur Verantwortung – sondern auch Entwicklung, Reisen und internationale Erfahrung.

Frauen im Schiedsrichterwesen stärken

Ein zentrales Zukunftsthema ist die Förderung von Schiedsrichterinnen:

  • Aktuell nur 2 Schiedsrichterinnen im Bundesligakader
  • Positiv: steigende Einsätze im Jugendbereich und bei Top-Events

Hier liegt großes Potenzial, das aktiv erschlossen werden soll.

Blick nach vorne: Qualität und Quantität steigern

Für die kommende Saison setzt der ÖFBV klare Schwerpunkte:

  • Sicherstellung aller Ausbildungsprogramme
  • Weiterentwicklung des Leistungskaders
  • Ausbau internationaler Einsatzmöglichkeiten
  • Stärkere Einbindung neuer Schiedsrichter
  • Verbesserung der Rahmenbedingungen bei Spieltagen (Rotation, Entlastung)

Deine Chance im Floorball

Das Schiedsrichterwesen ist mehr als nur Regelkunde – es ist ein zentraler Bestandteil unseres Sports. Es bietet:

  • Verantwortung und Persönlichkeitsentwicklung
  • Einblicke in das Spiel auf höchstem Niveau
  • Teil eines starken Netzwerks zu sein
  • Internationale Perspektiven

👉 Jeder Einstieg zählt. Jeder Einsatz macht einen Unterschied.

Wer Floorball liebt, kann den Sport nicht nur als Spieler oder Trainer mitgestalten – sondern auch als Schiedsrichter aktiv prägen.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Teil dieses Teams zu werden.

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