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Gerold Rachlinger
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Gerold Rachlinger2026-10-01 14:02:382026-10-01 14:02:38U19 Frauen-WM-Qualifikation: Spielplan bekannt – Österreich reist 2027 nach TartuFACE – Floorball Austria Coaching Education: Ergebnisbericht der Erasmus+ Mobilitäten
1. Strategischer Rahmen: Erasmus+ Sport als Enabler der Professionalisierung
Das Projekt FACE (Floorball Austria Coaching Education) markiert eine Zäsur in der Entwicklung des österreichischen Floorballs. In einem kompetitiven internationalen Umfeld ist der Status Quo keine Option; ohne eine radikale Qualitätssteigerung in der Ausbildung droht der heimische Verband in die dauerhafte internationale Irrelevanz abzurutschen. Vor diesem Hintergrund fungiert die EU-Kofinanzierung durch Erasmus+ Sport nicht lediglich als Reisebudget, sondern als der kritische strategische Enabler für einen hocheffizienten Wissenstransfer.
Die Kernziele von FACE – die Erhöhung der Coaching-Qualität, der Aufbau internationaler Netzwerke und die strukturelle Reform der Trainerausbildung – zielen darauf ab, die Wettbewerbslücke zu den Top-Nationen Schweden und Tschechien nicht nur zu verkleinern, sondern systemisch zu schließen. Es geht nicht um das Kopieren von Übungen, sondern um das Verständnis von Erfolgsarchitekturen. Die Mobilitäten bilden das Fundament, um von einer visionären Strategie zu einer evidenzbasierten Transformation der österreichischen Sportlandschaft überzugehen.
2. Die FACE-Wissensexpedition: Struktur und Fokus-Cluster
Das Projekt FACE wurde als koordinierte Wissensexpedition führender Köpfe des österreichischen Floorballs konzipiert. Die Mobilitäten gliederten sich in zwei komplementäre Cluster:
Schweden-Cluster: Lifestyle, Breitensport-Exzellenz und Schul-Synergien
In der Wiege des Floorballs wurden Strukturen analysiert, die den Sport als integralen Bestandteil des sozialen Gefüges („Lifestyle“) etablieren.
- Nicholas Jauck (TVZ Wikings): November 2025 bei Täby FC und Kais Mora IF. Fokus: Coach-Ausbildung, Parent-Coach-Systeme und spezialisierte Infrastruktur.
- Thomas Wibmer-Waldhuber (FBC Dragons): Januar 2026 bei Pixbo Wallenstam, Växjö Vipers und FBC Kalmarsund. Fokus: Nachwuchsakademien (ab 16 Jahren), Inklusion und Vereinsphilosophien.
- Alexander Huber & Daniel Oberhammer: Untersuchung der NIU-Gymnasien (Sportschulen). Fokus: Die synergetische Verbindung von Schule und Verein als Motor der Eliteförderung.
Tschechien-Cluster: Leistungskultur und Akademie-Strukturen
Tschechien diente als Modell für Disziplin, datengestützte Analyse und hocheffiziente Talent-Differenzierung.
- Harald Steinbichler (FBC Dragons): Oktober 2025 bei Black Angels Prag, Florbal Pardubice und Tatran Střešovice. Fokus: Spielerautonomie, Videoanalyse (Sporfie) und A/B-Team-Modelle.
- Alexander Gruber & Christoph Gruber: Analyse von Kooperationsmodellen zwischen Großvereinen und deren wirtschaftlicher Tragfähigkeit.
3. Methodische Paradigmenwechsel: Erkenntnisse aus der Weltspitze
Die wichtigste fachliche Erkenntnis ist die fundamentale Verschiebung von starren taktischen Systemen hin zur Schulung des situativen Verhaltens. In Österreich dominierende „Trockenübungen“ müssen einer Methodik weichen, die das Decision-Making (Entscheidungsschnelligkeit) unter Gegnerdruck ins Zentrum stellt.
Impulse aus Schweden: Professionalisierung der Breite
- Das Parent-Coach-System: Dieses Konzept ist in Schweden keine Notlösung gegen Trainermangel, sondern eine hochgradig organisierte Struktur. Durch vereinfachte, level-spezifische Kurzausbildungen wird eine Betreuerdichte von 3 bis 4 Trainern pro Team (Ratio 1:4) erreicht. Dies ermöglicht eine Individualisierung, die in Österreich derzeit unvorstellbar ist.
- Small Games als Problemloeser: Small Games werden in Schweden (besonders bei Täby) genutzt, um spezifische taktische Probleme (z.B. Überzahl, offensive Balleroberung) zu isolieren. Ziel ist die Maximierung „relevanter Wiederholungen“ in spielnahen Szenarien statt systemorientierter Drills.
- Taktische Variabilität (Pixbo): Die „Innebandyvision“ in Pixbo fordert, dass Spieler bereits im Jugendalter mindestens zwei taktische Systeme perfekt beherrschen und ein drittes theoretisch verstehen müssen.
- Intellektualisierung durch Lernkarten: In Täby werden Lernkarten (Flash Cards) als aktive Beobachtungstools genutzt. Junge Spieler analysieren damit SSL-Profispiele, was eine selbstgesteuerte kognitive Entwicklung fördert.
- Inklusion als Verbleib-Strategie: Pixbo demonstriert, wie Kinder mit ADHS durch klare Visualisierung (Tafel-Trainingspläne) und Sitzkreis-Rituale integriert werden. Für eine Randsportart wie Floorball in Österreich ist diese Inklusionskompetenz ein entscheidender Faktor zur Mitgliederbindung.
Impulse aus Tschechien: Disziplin und Eigenverantwortung
- Geleitete Autonomie: Tschechische U17-Teams wärmen sich komplett eigenständig auf. Der Kapitän, der bei Sommercamps demokratisch gewählt wird, fungiert als primärer Ansprechpartner des Coaches und trägt die Verantwortung für das Teammanagement auf dem Feld.
- Leistungsdifferenzierung (A/B-Teams): Ab der U13 erfolgt eine konsequente Trennung in Leistungs- (A) und Breitensportteams (B). Diese Transparenz erlaubt eine gezielte Ressourcenallokation und motiviert Spieler zur Eigeninitiative.
Infrastruktur und Motivation
Die Mobilitäten (insbesondere Mora) zeigten: Qualität zieht. Spieler sind bereit, über eine Stunde Anfahrt für ein 75-minütiges Training in Kauf zu nehmen, wenn die Infrastruktur (reine Floorballhalle) und die Coaching-Qualität stimmen. Dies entkräftet das österreichische Argument der „zu weiten Wege“.
4. Qualitätsmanagement: Schiedsrichterwesen und Ausbildungsarchitektur
Exzellentes Coaching kann nicht in einem Vakuum stattfinden. Ein professionelles Spielumfeld erfordert ein ebenso professionelles Schiedsrichter- und Observerwesen.
- Buddy-System & Feedback-Schleifen: Die in Prag beobachteten Strukturen, in denen Schiedsrichter durch ein Buddy-System und unmittelbares Video-Feedback (Sporfie) unterstützt werden, müssen als Vorbild für Österreich dienen. Coaching-Qualität und Schiedsrichter-Qualität sind zwei Seiten derselben Medaille der Spielkultur.
- Modulare Ausbildungsarchitektur (Level-System): Das schwedische Modell (Dalarna) schreibt vor: Trainer dürfen ausschließlich auf dem Level coachen, für das sie lizenziert sind (Green, Blue, Red). Dies garantiert, dass ein Coach für 8-Jährige über völlig andere pädagogische und psychomotorische Werkzeuge verfügt als ein Elite-Coach. Der ÖFBV muss diese Standardisierung bundesweit forcieren, um die Ausbildungsqualität zu sichern.
5. Strategische Handlungsempfehlungen und Implementierung
Die FACE-Initiative darf kein einmaliges Ereignis bleiben. Das „Erasmus-Fenster“ muss für nachhaltige Reformen genutzt werden.
Strategische Prioritäten für Mitgliedsvereine
- Systemische Elterneinbindung: Durchführung von Parent-Coach-Workshops nach schwedischem Vorbild zur Steigerung der Betreuerdichte.
- Methodik-Shift: Umstellung des Trainingsbetriebs auf Small Games und Integration von Video-Feedback-Tools (XPS/Sporfie) zur individuellen Spielerentwicklung.
- Kultur der Inklusion: Nutzung pädagogischer Strukturen zur Bindung von Spielern mit unterschiedlichen Bedürfnissen (z.B. ADHS-Support).
Strategische Prioritäten für den Verband (ÖFBV)
- Einführung eines Level-Systems: Umstellung der nationalen Trainerausbildung auf eine modulare, altersstufenspezifische Struktur mit Lizenzpflicht.
- Niederschwelliges Parent-Coach-Zertifikat: Schaffung eines offiziellen Rahmens für engagierte Eltern, um die Basis im Breitensport massiv zu verbreitern.
- Infrastruktur-Offensive: Unterstützung von Leuchtturmprojekten wie der Vision dedizierter Floorballhallen (Inspiration Mora/Zell am See).
Fazit: Selektion durch Masse versus Kultur der Behutsamkeit
Während Nationen wie Schweden es sich leisten können, Talente durch schiere Masse zu selektieren („Selection by Mass“), muss der österreichische Floorball eine „Kultur der Behutsamkeit“ (Care) adoptieren. Da wir über eine begrenzte Spieleranzahl verfügen, ist es eine strategische Pflicht, jeden einzelnen Spieler durch höchste Coaching-Qualität im System zu halten und individuell zu fördern.
Die FACE-Initiative hat die Blaupause geliefert. Die Zukunft des österreichischen Floorballs entscheidet sich nun an der Konsequenz der Umsetzung dieser Erkenntnisse. Wir haben die Vision gesehen – jetzt müssen wir sie bauen.# FACE – Floorball Austria Coaching Education: Ergebnisbericht der Erasmus+ Mobilitäten
Hier gehts zur Übersicht: https://www.floorball.at/face/



























