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Gerold Rachlinger
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Gerold Rachlinger2026-06-26 07:32:222026-06-26 07:37:14Floorball Austria auf Wachstumskurs: Gerold Rachlinger über 500.000 Euro für den Nachwuchs, die größten Herausforderungen der Zukunft und den Traum von Olympia 2032Gerold Rachlinger: „Wir stehen erst am Anfang einer spannenden Entwicklung“
Der österreichische Floorballsport wächst. Vereine wachsen, Nachwuchsprogramme entstehen, Nationalteams entwickeln sich weiter und neue Projekte bringen den Sport in Schulen und Regionen des Landes. Gleichzeitig stehen Verband und Vereine vor Herausforderungen, die mit diesem Wachstum einhergehen. Im Gespräch blickt ÖFBV-Generalsekretär Gerold Rachlinger auf die vergangene Saison zurück, spricht offen über aktuelle Herausforderungen und zeichnet ein ambitioniertes Bild für die Zukunft des österreichischen Floorballs.
Gemeinsam wachsen
Wenn Gerold Rachlinger auf die vergangenen Monate zurückblickt, dann sieht er vor allem eines: Bewegung.
„Viele Vereine beginnen immer stärker, die vom Verband geschaffenen Werkzeuge wie z.b. Train with the Champions zu nutzen und aktiv in ihre Nachwuchsarbeit einzubauen. Vor einigen Jahren waren wir noch hauptsächlich damit beschäftigt, Floorball in Schulen „vorzustellen“. Heute arbeiten wir bereits daran, Kinder und Jugendliche gezielt in die Vereine zu bringen und langfristig für unseren Sport zu begeistern.“
Diese Entwicklung sei kein Zufall. Immer mehr Vereine würden erkennen, dass nachhaltiges Wachstum nur gemeinsam gelingen könne.
„Die vergangene Saison hat gezeigt, dass wir als Floorball-Familie näher zusammenrücken. Natürlich kämpfen wir 60 Minuten lang auf dem Spielfeld gegeneinander. Außerhalb des Feldes müssen wir aber österreichweit zusammenarbeiten, uns vernetzen und voneinander lernen. Genau dort liegt die Zukunft unseres Sports.“
Eine halbe Million Euro für Bewegung
Ein besonderer Schwerpunkt liegt derzeit auf der „Täglichen Bewegungseinheit“. Der ÖFBV befindet sich aktuell in einer entscheidenden Projektphase.
„Wenn alles nach Plan läuft, werden in den kommenden drei Jahren gemeinsam fast 500.000 Euro in dieses Projekt investiert. Damit stoßen wir in völlig neue Dimensionen vor.“
Für den Verband sei dies weit mehr als ein Förderprojekt. Es sei eine Chance, tausende Kinder erstmals mit Floorball in Berührung zu bringen und neue Zugänge für Vereine zu schaffen.
Nationalteams auf dem richtigen Weg
Auch sportlich sieht Rachlinger positive Entwicklungen.
Bei den Herren erkennt er klare Fortschritte, auch wenn diese noch nicht immer in Tabellen oder Ergebnissen sichtbar werden.
„Wir nähern uns unseren langfristigen Zielen Schritt für Schritt an. Spiele gegen Nationen wie die Slowakei und Polen bei der Quali 2026 oder unsere Auftritte bei der 3v3-Weltmeisterschaft zeigen, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben. Entwicklung braucht Zeit, aber die Richtung stimmt.“
Deutlich kritischer blickt er auf die Situation im Damenbereich. Dabei geht es für ihn nicht um Trainer oder einzelne Spielerinnen, sondern um grundlegende Strukturen.
„Wir dürfen uns nicht ausschließlich auf Ergebnisse konzentrieren. Unser größtes Problem ist die geringe Anzahl an Spielerinnen und Nachwuchsspielerinnen. Solange wir die Zahl der aktiven Frauen und Mädchen nicht massiv erhöhen, werden wir uns sportlich nicht entscheidend weiterentwickeln.“
Besonders wichtig seien weibliche Vorbilder in den Vereinen.
„Wir brauchen mehr Frauen in verantwortungsvollen Funktionen, als Trainerinnen, Funktionärinnen und Führungspersönlichkeiten. Junge Spielerinnen müssen Menschen sehen, mit denen sie sich identifizieren können.“
Die besten Talente fördern
Ein weiterer Meilenstein sind die neuen regionalen Leistungszentren.
Bereits in Wien und Oberösterreich trainieren die besten U15-Spielerinnen und Spieler vereinsübergreifend gemeinsam. Weitere Regionen sollen folgen.
„Kärnten und der Westen werden hoffentlich bald nachziehen. Wir müssen lernen, über Vereinsgrenzen hinweg zu denken. Die jungen Talente von heute sind die Nationalspielerinnen und Nationalspieler von morgen.“
Die Leistungszentren sollen gezielt auf die Anforderungen der U17- und U19-Nationalteams vorbereiten und gleichzeitig die Zusammenarbeit der Vereine stärken.
„Hier müssen wir investieren. Die Zukunft unseres Sports entsteht nicht in einzelnen Vereinen, sondern durch gemeinsame Entwicklung.“
Die Herausforderung des Erfolgs
Interessanterweise sieht Rachlinger die größte Herausforderung nicht im mangelnden Wachstum, sondern im Gegenteil.
„Wir wachsen fast zu schnell.“
Viele Vereine würden bereits heute an ihre organisatorischen Grenzen stoßen.
„Es gibt noch immer Teams, die praktisch als Ein-Mann-Betrieb geführt werden. Diese Strukturen werden in Zukunft nicht mehr funktionieren. Wir brauchen mehr Trainer, mehr Funktionäre und mehr Menschen, die Verantwortung übernehmen.“
Auch der Verband selbst sei davon betroffen.
„Im Tagesgeschäft fehlen uns aktuell die personellen Ressourcen, um alle Ideen und Projekte in der Geschwindigkeit umzusetzen, die notwendig wäre. Wir brauchen neue Strukturen und zusätzliche Unterstützung. Das wird nicht einfach, ist aber dringend notwendig.“
Ohne Ehrenamt geht es nicht
Eine Schlüsselrolle sieht der Generalsekretär bei den Eltern der Nachwuchsspielerinnen und Nachwuchsspieler.
„Wir müssen die Eltern stärker an unsere Vereine binden und ihnen zeigen, dass ihre Unterstützung gebraucht wird.“
Ideen gebe es genügend. Was oft fehle, sei die Bereitschaft zur Umsetzung.
„Jeder hat eine Meinung. Aber wir brauchen Menschen, die anpacken und Dinge umsetzen. Diese Hands-on-Mentalität ist entscheidend. Das ist kein reines Floorball-Thema, sondern eine gesellschaftliche Herausforderung.“
Österreich als Gastgeber
Mit Stolz blickt Rachlinger auf die internationalen Veranstaltungen der vergangenen Saison zurück.
Die EuroPower-Events sowie die Finalspiele der W-IFL hätten gezeigt, dass Österreich ein hervorragender Gastgeber sein könne.
„Wir haben uns international ausgezeichnet präsentiert. Solche Veranstaltungen sind enorm wichtig für die Sichtbarkeit unseres Sports.“
Gleichzeitig spricht er auch hier offen über die Realität.
„Mit dem derzeitigen Stand an freiwilligen Helfern und Funktionären sehe ich für 2026 und 2027 kaum Möglichkeiten, weitere große internationale Veranstaltungen durchzuführen. Dafür brauchen wir mehr Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.“
Der Schlüssel liegt in den Vereinen
Fragt man Rachlinger nach dem wichtigsten Erfolgsfaktor für die kommenden Jahre, kommt die Antwort ohne Zögern.
„Vereinsentwicklung und die Ausbildung von Übungsleiterinnen und Übungsleitern.“
Schon heute würden zahlreiche Schulen und Institutionen Interesse an Floorball zeigen.
„In manchen Regionen können wir die Anfragen gar nicht mehr bedienen, weil schlicht die Personen fehlen. Das zeigt gleichzeitig unser Potenzial und unsere größte Aufgabe.“
Der Blick nach Brisbane
Zum Abschluss wagt der Generalsekretär einen Blick weit in die Zukunft.
Sein Traum trägt einen Namen: Brisbane 2032.
„Es gibt Gerüchte, dass Floorball in der 3v3-Variante Teil der Olympischen Spiele 2032 werden könnte. Sollte das Realität werden, möchte ich mit Österreich dort vertreten sein.“
Dafür müsste Österreich zu den besten Nationen der Welt gehören.
„Top 8 der Welt wären vermutlich notwendig. Das ist ein sehr ambitioniertes Ziel. Aber wenn wir weiterhin gemeinsam arbeiten, mutig denken und konsequent investieren, dann sollten wir uns auch große Träume erlauben.“
Und genau dieser Gedanke zieht sich durch das gesamte Gespräch: Österreichischer Floorball steht nicht am Ende einer Entwicklung. Er steht erst am Anfang.
Die Grundlagen werden heute gelegt – in Vereinen, Schulen, Leistungszentren und durch die vielen Ehrenamtlichen im ganzen Land. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie weit dieser Weg führen kann.


























