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Neo-Präsident Timmo Taurer im Interview

Hallo Timmo, danke dass du dir Zeit genommen hast, mit uns zu sprechen! Seit gut einem Monat stehst du an der Spitze des ÖFBV. Wie ist die erste Bilanz?

Timmo Taurer: Die ersten Eindrücke bestätigten schnell meine Erwartungen. Es ist viel Arbeit, einen Verband zu führen. Noch schwieriger ist es, das Ganze mehr oder weniger nebenbei zu machen.  Ich verdiene damit ja nicht mein Brot, gehe einen ganz normalen Job in der Privatwirtschaft nach, spiele aktiv Floorball beim VSV Unihockey und im Nationalteam.  Ich wusste aber in gewisser Weise schon, auf was ich mich einlasse, immerhin helfen Patrick Schwarz und ich im Verband schon seit April 2018 mit und haben mit der IFL in kürzester Zeit eine qualitativ hochwertige Liga geschaffen. 

Wie kam es dazu, dass du diese Position übernommen hast?

Timmo Taurer: Das war alles sehr spontan. Eigentlich wurde ich vergangenes Jahr als Vorstandsmitglied gewählt. Der damalige Präsident, Werner Daves, hat aber mit Ende des Jahres seinen Rücktritt erklärt. Der Verband war und ist nicht gerade breit aufgestellt und damit das Werk weiter läuft, habe ich dem zugestimmt, den ÖFBV zumindest bis zur Neuwahl als Präsident zu repräsentieren.

Kannst du uns einen Einblick in dein Privatleben geben?

Timmo Taurer: Ich spiele Floorball seit nunmehr 14 Jahren und möchte es keine Sekunde missen. Die Momente mit dem Team, Freundschaften, Reisen, die ganzen Erlebnisse die ich in Verbindung mit Floorball bis jetzt gemacht habe, kann mir keiner nehmen. Außerdem habe ich eine tolle Familie. Meine Frau Andrea und meine zwei Kinder Luca (14) und Lilly (9) sind sehr verständnisvoll, ohne sie könnte ich das nie durchziehen. Es gab eine Zeit, da hätte ich fast aufgehört, Floorball zu spielen, meine Frau hat mich aber ermutigt, weiter zu machen. Man darf aber nicht vergessen, wie viel Zeit für das Thema Floorball eigentlich drauf geht.

Wie viel Zeit investierst du dann wirklich in Floorball?

Timmo Taurer: Ich möchte das kurz erklären: Vor der Saison, also ab Juli, beginnt das Sommertraining. Da wird zwei bis drei Mal die Woche mit der Mannschaft an Ausdauer und Schnelligkeit gefeilt. Die Saison fängt Anfang September an und läuft bis Ende April, da haben wir dreimal die Woche am Abend Training. In dieser Zeit sind fast alle Wochenenden durch Spiele belegt. Sollte einmal spielfrei sein, bin ich mit dem Nationalteam bei Turnieren, WM Qualifikationen oder Trainingslagern. Man könnte also sagen, ich habe in diesen acht Monaten nur maximal drei bis vier Wochenenden, etwas mit meiner Familie zu unternehmen. Zusätzlich habe ich, wie schon erwähnt, einen Job im IT Bereich in der Privatwirtschaft. Hier kann es schon vorkommen, dass ich Geschäftsreisen in ferne Länder mache. Also wieder drei bis fünf Wochen pro Jahr unterwegs.

Jetzt kommt auch noch der Posten als Verbandspräsident dazu…

Timmo Taurer: Der mich abermals zig Stunden kostet, die oftmals auch aufs Wochenende fallen. Man sieht also, dass so etwas ohne einer verständnisvollen Familie nicht möglich wäre. Dafür möchte ich mich bedanken!

Zum ersten Mal nach vielen Jahren gibt es keinen hauptberuflichen Generalsekretär mehr. Was steckt dahinter?

Timmo Taurer: Das hat zwei Gründe. Heidi Leb hätte so oder so als Generalsekretärin aufgehört. Damit hätten wir entweder jemand Neues einstellen können oder eben die Arbeit auf mehrere Personen aufteilen müssen. Der zweite Aspekt ist ein finanzieller. Durch das neue Österreichische Sport-Fördersystem wird nun den kleinen Verbänden bzw. Randsportarten ein Teil des Geldes weggenommen und den großen Verbänden bzw. olympischen Sportarten zugespielt. Das trifft neben vielen anderen Sportarten eben auch Floorball. Wir haben dadurch ca. 15 bis 20 Prozent weniger Förderungen zur Verfügung, somit gibt es auch mehr Einschränkungen. 

Welche mittelfristigen Pläne verfolgst du mit deinem Team?

Timmo Taurer: Ich bin froh, kompetente und vor allem ehrgeizige Leute für die Arbeit im Verband gefunden zu haben. Den Verband haben wir nun auf drei unterschiedliche Säulen aufgebaut. Die erste Säule kümmert sich um alle sportlichen Belangen wie Liga, Nationalteams, Schiedsrichter, und so weiter. Die zweite Säule erledigt alle finanziellen Notwendigkeiten wie Abrechnungen, Strafen, Förderung, und Budgetplanung. Die dritte Säule macht alle Backoffice-Themen wie Rechnungen, Mail-Verkehr, Lizenzen, nationale & internationale Ansprechpartner. 

Euer Leitbild ist also „Als Team zum Erfolg“?

Timmo Taurer: Ja, genau! Jede Person hat unterschiedliche Vorschläge, diese werden bei wöchentlichen Online-Meetings besprochen und auf die Machbarkeit geprüft. Wir wollen alles, was im Rahmen unserer finanziellen Mittel steht, professioneller machen. Der erste Schritt war es, die Öffentlichkeitsarbeit auf der Homepage und den Social-Media-Kanälen auf Vordermann zu bringen. Der zweite Schritt war die IFL in Kooperation mit dem slowenischen Verband. Die Nationalteams sind bzw. sollten Aushängeschilder werden, denn mit dem Erfolg der Nationalteams bei Großereignissen besteht die Möglichkeit mehr Förderungen vom Staat zu bekommen. Mittelfristig wollen wir Sponsoren für die Liga bzw. die Nationalteams finden. Jetzt müssen die Spieler ihre Trainingslager und WM Qualifikationen teilweise selbst zahlen bzw. einen Selbstkostenbeitrag leisten. Da kommt es schon ab und an vor, dass gute Spieler aus Kostengründen nicht mitfahren können. Vor allem die Nachwuchs Nationalteams trifft das schwer.

Was wird es brauchen um den Floorball Sport in Österreich in der nächsten Zeit zu beflügeln?

Timmo Taurer: Derzeit wissen viele nicht einmal was Floorball ist – das muss sich ändern! Die Vereine zu unterstützen ist die eigentliche Arbeit. Ohne die Vereine würde es keinen Verband geben. Der Verband schafft nur die Rahmenbedingungen. Die Jugendarbeit ist daher sehr wichtig. Aushängeschilder sind hier Villach oder Klagenfurt. Diese zwei Vereine arbeiten sehr professionell und stellen mit Abstand die meisten Jugendspieler. Nur durch die Jugendarbeit kann der Sport weiterleben.

Du hast gerade das Thema „Liga-Sponsor“ angesprochen. Was hat es damit auf sich?

Timmo Taurer: Ein Liga-Sponsor wäre ein wahnsinniger Erfolg für den ÖFBV. Wir könnten die Vereine finanziell unterstützen und zusammen mit ihnen Pakete schnüren, in denen das Geld gut investiert werden sollte. Etwa in die Jugendarbeit. Dafür muss der Sport einfach mehr Anklang in den Medien finden. Auf Youtube werden alle internationalen Spiele live gestreamt. Beim letzten WM Finale waren knapp 18.000 Zuschauer im Stadion. In Schweden werden Spiele aus der Liga auf Eurosport gezeigt. In Österreich übertragen wir seit der aktuellen Saison in Kooperation mit PlatinTV die Topspiele der IFL live. Damit sollen mehr Leute die tollste Sportart der Welt kennen und lieben lernen. Der Sport explodierte in den letzten Jahren gewaltig, nun ist es an der Zeit, die nächsten Schritte zu machen. Zukunftsmusik eben!

Danke für das Interview und weiterhin viel Erfolg bei der Ausübung deines Amtes!

 

Zur Person:

Name: Timmo Taurer
Position: Präsident (Interim)
Präsident seit: 2018
Alter: 31