post

Interview mit Teamchef Harald Felsberger

Die Auslosung für die WM-Qualifikation hat Österreich eine richtig schwierige Gruppe beschert. Was war dein erster Gedanke, nachdem die Gruppen feststanden?

Felsberger: Leider ist das eingetroffen, was ich befürchtet hatte. Fakt ist allerdings, dass wir damit rechnen mussten. Nichtsdestotrotz werden wir uns konzentriert auf die Qualifikation in Lettland vorbereiten. Nachdem nun auch Gegner und Austragungsort bekannt sind, war das Trainingslager vergangenes Wochenende der Startschuss in die nächste Vorbereitungsphase und ich konnte zu 100% hochmotivierte Spieler beobachten, die einen super Job erledigt haben und auch in Zukunft erledigen werden.

In den letzten Monaten wurden viele neue Spieler beobachtet und viele Sichtungscamps veranstaltet. Gab es Spieler, die dich überrascht haben?

Felsberger: Da Oli Pucher und ich während der letzten Saison permanent Spiele der IFL, der zweiten Bundesliga sowie auch Ligaspiele in der Schweiz beobachtet haben, sind wir über die Spieler gut informiert. Deswegen kann man da nicht von Überraschungen sprechen. Wir glauben, dass der Kader durchaus konkurrenzfähig ist und aus diesen 33 Spielern des erweiterten Kader wird es letztendlich noch eine Herausforderung werden, die richtigen 20 Spieler zu nominieren. Es fällt aber auf, dass die Spieler wirklich wollen und man den Eindruck hat, dass es für sie eine Ehre ist, für Österreich zu spielen. Diese Eigenschaften kenne ich aus meiner Zeit als Spieler, wo wir vor allem durch Herz und Einsatz den Aufstieg in die A-Gruppe geschafft haben und damit in der Weltrangliste auf Platz 10 vorrücken konnten.

Welche Rolle werden die vielen aus dem U19-Team nachgerückten Spieler bei der Quali einnehmen?

Felsberger: Ich gehe davon aus, dass der eine oder andere bereits eine wichtige Rolle spielen wird. Das besondere an diesen Spielern ist, dass sie bereit sind, an ihre Grenzen zu gehen und mehr zu tun als viele andere – das macht sie stark. Damit sind sie beste Vorbilder wiederum für jene, die nach ihnen kommen. Außerdem sind sie in ihrer Entwicklung schon sehr weit und verglichen mit Schweden oder Schweiz durchaus mit den gleichaltrigen Spielern konkurrenzfähig – bei uns fehlt es halt an der Quantität, dadurch sind wir noch weit weg von den Spitzennationen.

Um die Quali zu schaffen muss entweder Deutschland oder Lettland geschlagen werden – im Idealfall natürlich beide, wenn man sich ein Entscheidungsspiel ersparen will. Was ist für Team Austria aus deiner Sicht drin?

Felsberger: Es gibt mehrere Blickwinkel, aus denen man diese Frage betrachten und beantworten kann. Laut Weltrangliste sind wir chancenlos, da brauchen wir nicht um den heißen Brei herumreden. Aber das Schöne im Sport ist ja gerade, dass es noch jedes Mal Überraschungen gegeben hat. Siehe Island bei der letzten WM im Fußball oder Finnland bei der letzten WM im Eishockey. Wir werden die Herausforderung annehmen und bestmöglich lösen. Unser Antrieb ist „Mission Impossible“. Mit „Mission Impossible“ verbindet uns die Tatsache, dass Tom Cruise als Hauptdarsteller in diesen Action-Filmen am Ende trotz Aussichtslosigkeit immer siegreich bleibt – und das wollen wir ihm nachmachen.

Welches Duell wird eure größte Herausforderung werden?

Felsberger: Alle drei bzw. vier Spiele, wenn man das Platzierungspiel mit einberechnet, werden größte Herausforderungen sein . Jeder Sieg, den wir einfahren können, wird uns in der Weltrangliste nach oben bringen und uns für zukünftige Aufgaben in eine bessere Ausgangsposition bringen. Aber auf das Spiel gegen Deutschland freue ich mich schon besonders. Als Zeitzeuge von Cordoba 1978 ist ein Spiel gegen unsere deutschen Freunde immer was Besonderes.

Im Verband gab es innerhalb des letzten Jahres viele große Änderungen. Hast du den Verlauf beobachtet und wenn ja, wie stehst du zu den vielen Neuerungen?

Felsberger: Natürlich habe ich die ganze Umorganisation mitverfolgt und kann wahrscheinlich auch aufgrund dieser Veränderungen jetzt gemeinsam mit Oliver Pucher meinen Teil in den Verband mit einbringen. Es ist sicher noch nicht alles eitel Wonne und es gibt einige Baustellen, die noch zu reparieren sind, ich bin jedoch zuversichtlich, dass es nun wieder aufwärts gehen wird. Ich denke, man kann in allen Bereichen eine Art Aufbruchsstimmung erkennen und darauf sollte man aufbauen.

Dein Sohn Niklas wurde erst kürzlich nach Schweden zum IBK Linköping transferiert. Glaubst du, dass er sich in der besten Liga der Welt durchsetzen wird?

Felsberger: Ich glaube zum jetzigen Zeitpunkt kann man diese Frage schwer beantworten. Es ändert sich alles für ihn. Das tägliche Leben nach der Matura, das intensivere Training und natürlich die weit größere Anzahl von Trainingseinheiten werden am Anfang sicher eine Umstellung sein. Das Potenzial, einmal in der SSL zu spielen, hat er meiner Meinung nach auf jeden Fall. Er wird diese Saison im Farmteam von IBK Linköping beginnen und man wird sehen, ob sich im Laufe der Saison was ergeben wird – da spielen einige Faktoren mit. Es ist vieles möglich.

Du hast ja sicher auch die Neuerungen der IFL mitverfolgt. Was glaubst du, welche Teams sind heuer als besonders gefährlich einzustufen?

Felsberger: Wie schon letztes Jahr gehe ich davon aus, dass Skofja Loka einer der beiden Hauptfavoriten sein wird. Kadermäßig hat sich bei den Slowenen meines Wissens nach nichts getan, sie sind eingespielt und wer sie letztes Jahr gesehen hat, wird mir recht geben. Der zweite Favorit dürfte meinen Informationen zufolge die Mannschaft von Phönix Fireball aus Ungarn sein, die in etwa mit Skofja Loka auf eine Stufe zustellen sind. Ich glaube aber, dass die österreichischen Teams durchaus auch ein Wörtchen mitreden werden – vorausgesetzt sie haben im Sommer ihre Hausaufgaben gemacht. Denn die Fitness und damit das Sommertraining wird immer wichtiger und damit ein ganz wichtiger Faktor, ob man am Ende der Saison ganz oben steht oder nicht. Wie auch immer, diese Saison wird auch für die Zuseher nochmal spannender, weil man nun alles Duelle auf Augenhöhe sehen wird und damit spannende Spiele garantiert sind.

Danke für das Interview!

Übrigens: Die Fotos von den diversen sportlichen Aktivitäten unserer Nationalmannschaft beim Trainingslager in Faak am See findet ihr auf unserem Instagram-Account!