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Die Schutzbrillenpflicht erklärt – warum es unseren Nachwuchs schützt

Bundesliga Finalspiel – es kommt auf jedes Tor an. Der gegnerische Stürmer schießt aufs Tor! Der Verteidiger versucht im letzten Augenblick den Schuss zu blocken. Doch unglücklicherweise wird der Schuss von einer Stockschaufel abgelenkt und fliegt in Augenrichtung des Verteidigers. Es wird schwarz und der Verteidiger liegt am Boden! Ein unglücklicher Zufall! Oder doch mehr…?

Bei Augenverletzungen sind Schüsse oder hohe Zuspiele die häufigste Verletzungsursache, bei Verletzungen im Bereich rund um das Auge ist die Schaufel an erster Stelle. Schon bei einer angenommenen Schussgeschwindigkeit von 100 km/h, trifft der Ball einen fünf Meter entfernten Spieler nach nur 0,18 Sekunden. Diese kurze Reaktionszeit ist oft ungenügend, um den Ball auszuweichen, erst recht dann, wenn man die Schussabgabe nicht wahrgenommen hat! Von den 100 SpielerInnen, welche sich durch eine Schaufel im Gesicht verletzt haben, haben 60 die zur Verletzung führende Aktion als nicht regelwidrig eingeschätzt.

Man muss davon ausgehen, dass Gesichtsverletzungen, welche in diesen Situationen entstanden sind, in einer fairen Aktion zustande gekommen sind. Das ist möglich, sofern sich die SpielerInnen, im Augenblick der Verletzung, in einer unglücklichen Situation (Beispiel: sehr tief/nahe dem Boden) befanden. Zusätzlich zum Verletzungsrisiko, welches vom Ball ausgeht, kommt in solchen Situationen also auch ein erhöhtes Verletzungsrisiko durch die Schaufel hinzu. Dieses Risiko ist meistens nicht vermeidbar, da die SpielerInnen stets alles versuchen, um den Torerfolg des Gegners zu verhindern. Die SpielerInnen sollten sich dieses Risikos allerdings bewusst sein und sich überlegen, ob deswegen ein adäquater Augenschutz nicht empfehlenswert wäre. Der ÖFBV spricht sich für ein Tragen beim Ausüben des Floorballsports aus, erlässt aber zum jetzigen Zeitpunkt noch keine generelle Pflicht für die Bewerbsspiele.
Kinder besonders gefährdet
Kinder haben drei nicht zu unterschätzende Nachteile bezüglich Augenverletzungen:
1. Aufgrund ihrer Körpergröße sind ihre Augen näher in der „Gefahrenzone“.
2. Kinder sind oft technisch/koordinativ nicht gut ausgebildet. Dies hat zur Folge, dass sie oft unabsichtlich den Stock zu hoch ausschwingen.
3. Kinder können Gefahren weniger gut einschätzen.

Bei Kindern und Jugendlichen wird der ÖFBV mit der Saison 2020/21 eine Schutzbrillenpflicht bis zum vollendeten 16. Lebensjahr einführen. Wenn dies der Verein vorgibt, ist es für den Trainer viel einfacher seine Haltung zu begründen. Nach einer gewissen Angewöhnungszeit wird sich die Schutzbrillenpflicht im Verein automatisch etablieren. Eltern werden den Kaufpreis einer Brille gerne bezahlen – wer sagt schon nein, wenn es um die Sicherheit seines Kindes geht?

Wichtig ist, dass die Schutzbrillenpflicht konsequent durchgesetzt wird. Das bedeutet: Wer seine Schutzbrille nicht dabeihat, spielt/trainiert nicht! Kinder, die ihr Schutzbrille nicht eingepackt haben, sollen diese zu Hause holen. Es muss ein Verständnis der Wichtigkeit des Schutzes entstehen. Brille und Schläger werden gebraucht, sonst kann man am Spiel oder Training nicht teilnehmen. Der ÖFBV empfiehlt allen Trainer, zwei bis drei Schutzbrillen anzuschaffen (über den Verein) und immer ins Training mitzunehmen. So können sich Kinder, die Ihre Schutzbrille nicht greifbar haben, eine ausleihen.
Hier einige Tipps, um mit Schutzbrillen mühelos spielen zu können:
• eine Brille wählen, welche bequem (aber nicht zu locker!) auf der Nase sitzt
• die Brille auf der Bank abziehen und erst kurz vor dem Einsatz wieder anziehen
• Wenn man auf das Feld rennt, laufen die Gläser dank der Luftzirkulation zwischen Gesicht und Gläser nicht an.
• Ein kleines Tuch auf die Bank mitnehmen, sodass das Brillenputzen jederzeit möglich ist.
• Einmal pro Woche empfiehlt sich eine intensive Reinigung der Gläser, um immer klar sehen zu können. Mit warmen Wasser und flüssiger Seife klappt’s bestens.
Ein Elternabend zu Beginn der Saison ist eine ideale Plattform, um die Eltern über eine Schutzbrillenpflicht zu informieren.