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Damen scheitern an der WM-Qualifikation

Es hätte ein Neuanfang werden sollen. Neuer Trainer, einige neue Gesichter im Team und nur ein Ziel: Die WM in der Schweiz. Seit gestern ist es aber offiziell, dass die Endrunde in Neuchatel ohne die österreichischen Mädels stattfinden wird.

Die Ergebnisse sprechen für sich

Der Auftakt verlief nach einer intensiven Vorbereitung recht enttäuschend. Phasenweise konnte man mit den Deutschen gut mithalten, am Ende leuchtete doch ein 1:17 aus Rot-Weiß-Roter Sicht von der Anzeigetafel. Das 4:13 gegen Russland verlief ähnlich, aber auch diesmal waren die Gegner eine Klasse stärker. Gegen Spanien gab man eine 5:2-Führung aus der Hand, konnte immerhin noch ein Remis erzwingen. Gegen Finnland wurde ein Konter schon wie ein Tor gefeiert.

Trotz Dämpfer im Aufschwung

Aber lassen wir mal die zahlreichen positiven Aspekte dieses Turniers für sich sprechen. Die Mädels haben vier Spiele lang Kampfgeist und Moral gezeigt, wie man ihn selten zuvor erlebt hat. Eine Qualifikation schien ob der starken Gegner schon im Vorhinein unwahrscheinlich, man setzte dennoch alles daran, dieses Ziel zu erreichen. Teamchef Daniel Tonegatti und sein Betreuerstab bereiteten die Mannschaft bestmöglich auf große Gegner vor, probten in etlichen Testspielen den Ernstfall und schweißten ein Team zu einer eingeschworenen Einheit zusammen. Allein dafür muss ganz Österreich der Mannschaft Respekt zollen.

Der Verletzungsteufel hat zugeschlagen

Kurzfristige Verletzungen machten dem Team ebenfalls zu schaffen. Pamela Schroll trat die Reise nach Trencin gar nicht erst an, Simone Reitstätte und Melanie Bernert konnten erst zum zweiten Spiel ins Turnier einsteigen, fielen gegen Deutschland aus Krankheitsgründen aus. Zudem machte den Österreicherinnen die Verletzung von Torfrau Viktoria Weitgasser zu schaffen, die sich vor dem Spiel gegen Spanien beim Aufwärmen verletzte. Ersatzfrau Olga Rüffler nahm den Platz zwischen den Pfosten ein, überzeugte auf ganzer Linie und wurde am Ende auch verdient zum österreichischen MVP gewählt.

Stimmen zum Turnier

„Der Start verlief mit dem Spiel gegen Deutschland nicht einwandfrei, wir konnten uns aber von Spiel zu Spiel steigern. Es war schön zu beobachten, dass die Mischung zwischen erfahrenen Spielerinnen und unseren Youngstars so gut harmoniert und ich hoffe, dass es auch weiterhin mit dem Damen-Nationalteam bergauf geht.“
Julia Zembacher (Kapitänin)

„Im Großen und Ganzen können wir zufrieden sein. Die Resultate sind schon extrem hoch, aber wenn man bedenkt, dass wir gegen zwei Topnationen gespielt haben, ist es okay. Wir konnten sehen, dass die anderen Mannschaften konditionell einfach besser waren. Vor allem nach der 5:2-Führung gegen Spanien war sicher das Konditionelle ausschlaggebend. Trotzdem bin ich sehr stolz, dass wir wenigstens einen Punkt gegen Spanien geholt haben, die sind ja auch in der Weltrangliste um einiges vor uns. Leider erwischte zwei Spielerinnen die Magen-Darmgrippe und auch einige Wehwehchen kamen dazu, so musste wir einiges umstellen. Ich denke, dass sich die Damen im Gegensatz zu vor zwei Jahren sicher verbessert haben. Wir haben uns von Trainingslager zu Trainingslager gesteigert. Ich möchte mich bei allen Beteiligten für diese super Woche bedanken. Für mich war es eine große Ehre und Herausforderung dieses Team zu coachen. Ein großes Lob an das gesamten Team. Österreichs Damen haben seit Langem wieder mal einen Punkt bei einer Quali erkämpft. Schade ist, dass es in Österreich lediglich vier Teams auf dem Großfeld gibt, da ist es halt schwierig auf internationalem Niveau mitzuhalten. Man kann sich die Spielerinnen kaum aussuchen, wir müssen froh sein, dass wir überhaupt mit einer kompletten Mannschaft zu einer Quali fahren können.“
Daniel Tonegatti (Teamchef)

„Wir wussten schon vor Beginn der Quali, dass wir keine leichte Aufgabe vor uns haben. Nichts desto trotz haben wir in jedem Spiel gekämpft bis zum Schluss und uns auch nicht vor den großen Gegnern versteckt. Natürlich wirken Ergebnisse wie jenes gegen Finnland erstmal schrecklich schlecht, allerdings muss man das Ganze in Relation zum gesamten Floorballsport in den Ländern sehen. Floorball ist in Österreich nunmal eine Randsportart und man kann nicht Profis mit Hobby-Spielerinnen vergleichen. Ich denke das Österreichische Damen Nationalteam, aber auch Floorball Österreich hat noch sehr viel Arbeit vor sich – nichts desto trotz bin in zuversichtlich, dass wir uns weiterhin steigern werden!“
Elke Mayrhofer (MVP im Spiel gegen Finnland)

„Es ist für mich bis jetzt wahnsinnig spannend und eine super Erfahrung mit den Damen spielen zu dürfen. Ich hoffe für die Zukunft auf weitere Nominierungen und viel Spielzeit, um meine Leistung weiter zeigen und steigern zu können. Die Quali und speziell mein Tor und die Auszeichnung zum MVP waren unglaublich und ich werde diese Woche nie vergessen!“
Hannah Riedbert (14-jähriger MVP im Spiel gegen Russland)

„Wir bzw. die Mädels haben gesehen, wo Österreich international steht. Sie haben gekämpft und alles gegeben. Die Niederlagen gegen Deutschland und Russland sind eindeutig zu hoch ausgefallen, gegen Spanien wurde der Sieg leider verschenkt. Aber wenn wir jetzt glauben, enttäuscht sein zu müssen, liegen wir falsch. Wir wollen den Damen-Sport und allgemein Floorball in Österreich weiterbringen – dafür müssen Verband und Vereine noch aktiver und zusammen daran arbeiten, dass dies auch möglich wird. Es werden sicher keine Spielerinnen vom Himmel fallen und uns dann zur WM schießen!“
Gerold Rachlinger (Generalsekretär ÖFBV)