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Thomas Weinrich: „Des habt ihr gut g’macht“

Als Teammanager der Damen Nationalmannschaft möchte zum Abschneiden bei der WM Qualifikation ich gerne ein paar Dinge ansprechen.

Der Dank

Zuerst möchte ich mich beim Team bedanken. „Des habt ihr gut g’macht“.

Nicht genug danken kann ich dem kompletten Betreuerteam, das unermüdlich, vor und während der WM Quali für die Spielerinnen da war und einen reibungslosen Ablauf ermöglicht hat.
Das Trainerteam Daniel Tonegatti und Christian Zweiacker, sowie unserer dritte Nationaltorhüterin Kristin Otti, die sich bei der WM als Goali-Coach um die optimale Vorbereitung unser beiden Torhüterinnen gekümmert hat, haben das Team taktisch in den letzten 1,5 Jahren enorm nach vorne gebracht. Sabine Weinrich unterstützte das Team als Fitnesscoach und Betreuerin. Am meisten Arbeit während der WM Quali Woche hatte unsere Physiotherapeutin, Anja Piergalsky, die bis spät in die Nacht versuchte, die Mädels wieder fit zu bringen.

Das Abschneiden

Man muss nichts schönreden, darf aber nicht alles verteufeln.  Jedem der Teilnehmer, Spieler wie Betreuer und auch dem Vorstand von Floorball Österreich war klar, dass in dieser Gruppe maximal ein Sieg gegen Spanien zu holen war, alles andere wäre mehr als eine Sensation gewesen. Dass es mit dem 5:5 gegen Spanien nicht zum Sieg gereicht hat, ist Schade aber kein Beinbruch für die weitere Entwicklung der Damenationalmannschaft. Das Trainerduo hat die Probleme erkannt und wird darauf reagieren.

Das 37:0

Nach dem 37:0 gegen den amtierenden Vizeweltmeister Finnland, gab es in diversen Internetforen Kritik an der Leistung bzw. an der Sinnhaftigkeit der Teilnahme an der WM Qualifikation. Diese Kommentare muss ich auf das schärfste zurückweisen.

Jede Teilnahme bei einer Qualifikation, bei der 4 Spiele an 5 Tagen zu absolvieren sind, bringt das Team weiter. Auch wenn man verliert, denn gerade aus diesen Niederlagen lernt man. So hat sich z.B. die Fehleranalyse durch die Trainer aus dem ersten Spiel gegen Deutschland bereits im zweiten Spiel gegen Russland positiv bemerkbar gemacht und führte sogar zum zwischenzeitlichem Führungstreffer für Österreich.

Die Schwachstelle, persönlich Kritik

Als Teammanager stelle ich mich jederzeit vor mein Team, doch muss auch ich offen Kritik üben dürfen. Natürlich gibt es viele Baustellen, wenn man die Spiele genauer betrachtet. Das größte Manko sehe ich persönlich jedoch an der Physis der einzelnen Spielerinnen. Leider haben sich nicht alle konditionell optimal vorbereitet und das Sommertraining unserer Fitnesstrainerin abgearbeitet. Dadurch kam es gerade im Russland- und auch im Spanienspiel im letzten Drittel zu konditionellen Einbrüchen, wodurch auch die Konzentration in Leidenschaft gezogen wurden . Man war oft einen Schritt zu spät und brauchte in Folge die nächste Aktion durchzuführen. Daran müssen wir meiner Meinung nach vorrangig arbeiten.

Öffentliche Kritik

Ergebnisse wie 37:0 schmerzen, keine Frage. Finnland hat aber unserem Team auch gezeigt, dass man 60 Minuten durchspielen muss, egal wie der Spielstand ist. Und unsere Damen haben 60 Minuten versucht dagegen zu halten, egal wie der Spielstand war. Gekämpft bis zur letzten Minute, ich finde diese Moral großartig.

Den Kritikern, die das anders sehen, kann ich nur einige historischen Niederlagen unserer Profisportler vor Augen halten:

  • Hat Annemarie Moser-Pröll 1979 aufgehört Ski zu fahren, als sie 5,20 Sek hinter  Marie-Theres Nadig (SUI) ins Ziel kam und nur 2. Wurde?
  • Wurde die Fußballnationalmannschaft 1999 aufgelöst, als sie gegen Spanien mit 9:0 verlor?
  • Eishockey WM 2015: Österreichs Eishockeycracks verlieren gegen Kanada mit 10:1 und es gibt das Team immer noch.

Unsere Damen sind keine Profis, erhalten keine Unterstützung und haben sich mit hohem finanziellen Eigenmittelanteil die Teilnahme der WM Qualifikation selbst finanziert.  Im Gegensatz dazu, gibt es bei den Top-Teams Spielerinnen, die durchaus mehr als ein Taschengeld für dieses „Hobby“ bekommen. (Finnland hat z.B. zwei Spielerinnen im Team die je 25000€ Jahresgehalt für Floorball verdienen.)

Die Zukunft

Eine Einteilung in eine A-WM und B-WM ist mehr als erforderlich, das zeigt das Ergebnis in der anderen Europa Qualifikationsgruppe beim Spiel Schweden gegen Frankreich mit 61:0.

Teams wie z.B. Belgien, Italien, Niederlande, Frankreich, Spanien, gegen die unsere Damen in den Vorbereitungsspielen gute Ergebnisse vorweisen konnten, kämpfen mit den gleichen Problemen im Floorballsport. Es gibt zu wenig Spielerinnen, zu wenig Teams und dadurch auch zu wenig Ligaspiele und natürlich zu wenig finanzielle Unterstützung. Spielt man jedoch international ausschließlich gegen Teams aus dem unteren Level, dann gewinnt man vielleicht einige Spiele, doch wird man sich nur sehr langsam weiterentwickeln. Daher sind auch Begegnungen gegen die Top 8 Teams für die Entwicklung notwendig.

Die Presse

Die internationale Resonanz zum Auftreten der Österreichischen Damen war durchaus positiv:

  • Zitate aus der IFF Homepage:Zum Russlandspiel: „Österreich kämpfte gut bis zur Hälfte der ersten Periode, als Russland das Spiel übernahm. Bis zum Schluss jubelte Österreich lautstark mit seinen Toren und zeigte beispielhaft exzellenten Teamgeist.“

    Zum Finnlandspiel: „Wie bereits erwähnt, zeigte Österreich einen großartigen Teamgeist und freute sich über alle Erfolge auf dem Feld. “

  • Der Deutsche Floorballblogger Florian Büchting (Unihockey-Pics.de), seit 2002 auch Pressereferent der deutschen Nationalmannschaft, analysiert auf seiner Website „Flyctory.com“ die Spiele der Österreicher unter anderem wie folgt:Russland vs. Österreich: „Österreich hat hervorragende Arbeit geleistet und die Favoriten bis zur Mitte der zweiten Stunde herausgefordert“…….“ Nach etwa 30 Minuten haben Sie jedoch festgestellt, dass die Österreicher noch 60 Minuten nicht in der Lage sind, dieses Tempo zu spielen.“

    Österreich vs. Spanien: „Österreich hat seine starke Entwicklung unter Beweis gestellt. Sie sind wirklich ein Team, auf das Sie achten müssen, vielleicht auf den Platz für Wildcards, für die nächste Frauenmeisterschaft in zwei Jahren.“

    Finnland vs. Österreich:  „Österreich hatte in seinem letzten Spiel die schwierige Aufgabe, gegen Finnland zu lernen und vielleicht etwas Erfahrung für die nächste WFC-Qualifikationskampagne zu sammeln“ …….. „Finnland führt nach 4:41 Minuten bereits mit 5: 0. Gleich zu Beginn des Spiels musste man nur glauben, dass sie vielleicht den 61: 0-Rekord gegen Frankreich in der Parallelgruppe in Danzig (Polen) anstreben wollten. Insgesamt war Österreich zu stark. Sie spielten ein beeindruckendes Spiel, was ihr Niveau angeht und im Vergleich zu anderen Spielen wie Deutschland oder Spanien. Obwohl das Endergebnis 37: 0 war, gaben sie nicht auf, kämpften das Match und lächelten auf der Bank. Die Trainer behielten den Geist des Teams.“ ……… „Auch wenn sie wahrscheinlich als letztes in der Gruppe landen, haben sie ein großartiges Turnier gemacht – vielleicht abgesehen von ihrem ersten Spiel gegen Deutschland.“

Ich danke allen, die bei der Quali dabei waren und auch jenen, die uns von zu Hause aus die Daumen gedrückt haben!

Euer

Tommy Weinrich

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Damen scheitern an der WM-Qualifikation

Es hätte ein Neuanfang werden sollen. Neuer Trainer, einige neue Gesichter im Team und nur ein Ziel: Die WM in der Schweiz. Seit gestern ist es aber offiziell, dass die Endrunde in Neuchatel ohne die österreichischen Mädels stattfinden wird.

Die Ergebnisse sprechen für sich

Der Auftakt verlief nach einer intensiven Vorbereitung recht enttäuschend. Phasenweise konnte man mit den Deutschen gut mithalten, am Ende leuchtete doch ein 1:17 aus Rot-Weiß-Roter Sicht von der Anzeigetafel. Das 4:13 gegen Russland verlief ähnlich, aber auch diesmal waren die Gegner eine Klasse stärker. Gegen Spanien gab man eine 5:2-Führung aus der Hand, konnte immerhin noch ein Remis erzwingen. Gegen Finnland wurde ein Konter schon wie ein Tor gefeiert.

Trotz Dämpfer im Aufschwung

Aber lassen wir mal die zahlreichen positiven Aspekte dieses Turniers für sich sprechen. Die Mädels haben vier Spiele lang Kampfgeist und Moral gezeigt, wie man ihn selten zuvor erlebt hat. Eine Qualifikation schien ob der starken Gegner schon im Vorhinein unwahrscheinlich, man setzte dennoch alles daran, dieses Ziel zu erreichen. Teamchef Daniel Tonegatti und sein Betreuerstab bereiteten die Mannschaft bestmöglich auf große Gegner vor, probten in etlichen Testspielen den Ernstfall und schweißten ein Team zu einer eingeschworenen Einheit zusammen. Allein dafür muss ganz Österreich der Mannschaft Respekt zollen.

Der Verletzungsteufel hat zugeschlagen

Kurzfristige Verletzungen machten dem Team ebenfalls zu schaffen. Pamela Schroll trat die Reise nach Trencin gar nicht erst an, Simone Reitstätte und Melanie Bernert konnten erst zum zweiten Spiel ins Turnier einsteigen, fielen gegen Deutschland aus Krankheitsgründen aus. Zudem machte den Österreicherinnen die Verletzung von Torfrau Viktoria Weitgasser zu schaffen, die sich vor dem Spiel gegen Spanien beim Aufwärmen verletzte. Ersatzfrau Olga Rüffler nahm den Platz zwischen den Pfosten ein, überzeugte auf ganzer Linie und wurde am Ende auch verdient zum österreichischen MVP gewählt.

Stimmen zum Turnier

„Der Start verlief mit dem Spiel gegen Deutschland nicht einwandfrei, wir konnten uns aber von Spiel zu Spiel steigern. Es war schön zu beobachten, dass die Mischung zwischen erfahrenen Spielerinnen und unseren Youngstars so gut harmoniert und ich hoffe, dass es auch weiterhin mit dem Damen-Nationalteam bergauf geht.“
Julia Zembacher (Kapitänin)

„Im Großen und Ganzen können wir zufrieden sein. Die Resultate sind schon extrem hoch, aber wenn man bedenkt, dass wir gegen zwei Topnationen gespielt haben, ist es okay. Wir konnten sehen, dass die anderen Mannschaften konditionell einfach besser waren. Vor allem nach der 5:2-Führung gegen Spanien war sicher das Konditionelle ausschlaggebend. Trotzdem bin ich sehr stolz, dass wir wenigstens einen Punkt gegen Spanien geholt haben, die sind ja auch in der Weltrangliste um einiges vor uns. Leider erwischte zwei Spielerinnen die Magen-Darmgrippe und auch einige Wehwehchen kamen dazu, so musste wir einiges umstellen. Ich denke, dass sich die Damen im Gegensatz zu vor zwei Jahren sicher verbessert haben. Wir haben uns von Trainingslager zu Trainingslager gesteigert. Ich möchte mich bei allen Beteiligten für diese super Woche bedanken. Für mich war es eine große Ehre und Herausforderung dieses Team zu coachen. Ein großes Lob an das gesamten Team. Österreichs Damen haben seit Langem wieder mal einen Punkt bei einer Quali erkämpft. Schade ist, dass es in Österreich lediglich vier Teams auf dem Großfeld gibt, da ist es halt schwierig auf internationalem Niveau mitzuhalten . Man kann sich die Spielerinnen kaum aussuchen, wir müssen froh sein, dass wir überhaupt mit einer kompletten Mannschaft zu einer Quali fahren können.“
Daniel Tonegatti (Teamchef)

„Wir wussten schon vor Beginn der Quali, dass wir keine leichte Aufgabe vor uns haben. Nichts desto trotz haben wir in jedem Spiel gekämpft bis zum Schluss und uns auch nicht vor den großen Gegnern versteckt. Natürlich wirken Ergebnisse wie jenes gegen Finnland erstmal schrecklich schlecht, allerdings muss man das Ganze in Relation zum gesamten Floorballsport in den Ländern sehen. Floorball ist in Österreich nunmal eine Randsportart und man kann nicht Profis mit Hobby-Spielerinnen vergleichen. Ich denke das Österreichische Damen Nationalteam, aber auch Floorball Österreich hat noch sehr viel Arbeit vor sich – nichts desto trotz bin in zuversichtlich, dass wir uns weiterhin steigern werden!“
Elke Mayrhofer (MVP im Spiel gegen Finnland)

„Es ist für mich bis jetzt wahnsinnig spannend und eine super Erfahrung mit den Damen spielen zu dürfen. Ich hoffe für die Zukunft auf weitere Nominierungen und viel Spielzeit, um meine Leistung weiter zeigen und steigern zu können. Die Quali und speziell mein Tor und die Auszeichnung zum MVP waren unglaublich und ich werde diese Woche nie vergessen!“
Hannah Riedbert (14-jähriger MVP im Spiel gegen Russland)

„Wir bzw. die Mädels haben gesehen, wo Österreich international steht. Sie haben gekämpft und alles gegeben. Die Niederlagen gegen Deutschland und Russland sind eindeutig zu hoch ausgefallen, gegen Spanien wurde der Sieg leider verschenkt. Aber wenn wir jetzt glauben, enttäuscht sein zu müssen, liegen wir falsch. Wir wollen den Damen-Sport und allgemein Floorball in Österreich weiterbringen – dafür müssen Verband und Vereine noch aktiver und zusammen daran arbeiten, dass dies auch möglich wird. Es werden sicher keine Spielerinnen vom Himmel fallen und uns dann zur WM schießen!“
Gerold Rachlinger (Generalsekretär ÖFBV)

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„Floorball ist leider noch eine Randsportart in Österreich“

Das Unternehmen Mooslechner & Salchegger – die Sachverständigen mit den beiden Geschäftsführern Heinrich Mooslechner und Thomas Salchegger unterstützen finanziell das Damen Nationalteam bei der WM-Qualifikation in Trencin. Wir haben die beiden um ein kleines Interview gebeten.

Warum unterstützt die Firma Mooslechner & Salchegger das Damen Nationalteam?

Heinrich Mooslechner: Weil es schade ist, dass vom Land und Bund zu wenig Fördermittel zur Verfügung gestellt werden und viele Kosten wie Schiedsrichter, Unterkunft oder Anreise von den Spielerinnen selbst bezahlt werden müssen. Hier wäre ein Aufholbedarf vorhanden, auch es wenn es sich um eine Randsportart handelt.

Warum sollen auch andere Firmen Eurem Beispiel folgen?

Heinrich Mooslechner: Wir sind der Meinung, dass wir als Firma eine soziale und gesellschaftliche Verantwortung haben. Deshalb sind wir sowohl im karitativen als auch im sportlichen Bereich unterstützend tätig.

Thomas Salchegger: Wichtig für uns ist, dass wir vor allem Randsportarten wie Floorball unterstützen. Für sie ist im Unterschied zu den großen Hauptsportarten wie Schifahren, Fußball, Eishockey oder dergleichen schon ein geringer Betrag enorm wichtig, um in der Sportart voran zu kommen – und Floorball ist in Österreich leider noch als Randsportart einzustufen.

Wie werden die Damen bei der WM-Qualifikation abschneiden?

Heinrich Mooslechner: Ich denke, die Damen sind enorm motiviert und werden ihr Bestes geben. Was am Ende raus kommt, haben sie selbst in der Hand.

Thomas Salchegger: Das Gruppenlos ist schwer, aber mit Kampf und Teamgeist ist viel möglich, das wissen wir vom Eishockey. Die Damen können uns sicher auch überraschen!

Der ÖFBV dankt euch im Namen von ganz Floorball-Österreich für eure Unterstützung!